Begonnen hat Boden in der durchaus üblichen Weise einer Schaffung von parallelen Gegenwelten: mit Bildern. Sozialisiert im malereigesättigten Elbtal Dresdens, richtete er die Kraft seiner Imagination anfangs auf Oberflächenstrukturen und Materialreize. Asche, Teer, Rost und Kaseïn bilden dabei die bevorzugten Elemente, aus denen er formstrenge Ordnungen generiert und zu trutzigen Bildkörpern bindet. Der Schutz- und Schildcharakter dieser ehernen Quadrate weist schon in künftige Bereiche einer simulierten Bunkerarchitektur; noch aber genügen die Flächen sich selbst und erzeugen ihre innere Spannung aus dem Kontrast von geometrischer Verfestigung und organisch fließender Auflösung. Die Symmetrie der Verdoppelung findet sich hier ebenso wie die Sichtsteuerung einer mehrfachen Binnenrahmung; auch diese Formprinzipien bleiben bis in jüngste Arbeiten hinein wirksam und konturieren das bildnerische Denken Bodens grundlegend. Gleichwohl erfüllen sie in den frühen Ausprägungen noch andere, nämlich bildstiftende Funktionen, die sich vom späteren Ziel des Imago - Verzichts deutlich unterscheiden. Ebenso differiert die ethische Aufladung des Materials: die naturhafte Körnigkeit der Pigmente, die Patina des Gebrauchs überziehen die ersten Tafeln noch mit der Emphase des Verbesserers, der seine Schöpfung gegen die Kaltschnäuzigkeit der Technik stellt und für musische Besinnung plädiert.
Von diesen Ritualen der Beschwörung ist Boden heute weit entfernt. Das latente Mißtrauen gegen das versöhnende Potential der Schönheit führte ihn bald aus dem Zentrum des Rahmengevierts an seine Ränder, wo Haken, Konsolen, Sockel und Paletten ihr unscheinbares Dasein fristen. Er verschaffte ihnen in serieller Produktion die Präsenz von skulpturalen Körpern und akkumulierte sie in Reihen fern jeder subjektiven Handschrift. Ihr modulhafter Charakter ist beabsichtigt, versteht Boden sie doch als Teile und Nahtstellen innerhalb seines langwährenden Forschungsprojekts zu Befestigungs- und Schutzinstitutionen. Bunker, Sichtschlitze, Trophäen und Wappen werden ihm dabei zu Inkunabeln des Seßhaften, deren Ursprung stets militärisch gefärbt ist und die ihre kriegerische Ausrichtung in der Sicherung gegen das Andere, das Nomadische, das Mobilitätsprinzip der Steppe, entfalten. Die hier anklingende politische Brisanz angesichts von Migrationen, Bürgerkriegen und Verteilungskämpfen bildet die zeitgeistige Folie, von der aus Boden seine Arbeit "parallel zur Menschennatur" verrichtet und die die Gemütsbewegungen in öffentlichen Räumen ebenso grundiert wie etwa die Clausewitz-Serie oder die Drucke der Feldtheorie.
In den jüngsten Arbeiten wird dieses heraldische Vokabular aus dem Zusammenhang von Skulptur und Objektcollage gelöst und als verfremdendes Raster über die Realität von Einfamilienhäusern und Wohnsiedlungen gelegt. Per Computer werden deren fotografische Vorlagen zu fenster- und aussichtslosen Wehranlagen simuliert, die betongrau vor knalligen Himmeln lasten. In der Abfolge dieser auf Holz gezogenen Ungetüme stellt sich ein Frösteln der Erstarrung ein, das den Besitzenden als Verlustangst über den Rücken jagt und die Anderen in beißende Ironie treibt. Metaphorische Modelle eines status quo, der durch Kunst nicht zu ändern ist und doch von ihrem Grundprinzip beständig attackiert wird: dem Prinzip Bewegung.